Marchegg
... ist eine als Storchenstadt bekannte Stadtgemeinde im Bezirk Gänserndorf in Niederösterreich.
Geografie
Marchegg liegt am Ostrand des Marchfeldes im Weinviertel an der March und damit an der Grenze zur Slowakei.
Katastralgemeinden sind Breitensee und Marchegg, wozu auch die Siedlung Marchegg-Bahnhof gehört.
Geschichte
Die Stadt wurde im Jahr 1268 von König Přemysl Ottokar II. am Grenzfluss March als Bollwerk gegen die Ungarn erbaut.
König Ottokar von Böhmen siegte im Jahre 1260 bei Groißenbrunn über die Magyaren. Die Lage an der March, die schon immer Grenzfluß war, war strategisch sehr wichtig und so wurde die mauerbewehrte Stadt in jene Kette der Befestigungen eingegliedert, die sich vom nördlichen Waldviertel bis in die Oststeiermark hinziehen. Von der Entschlossenheit des Königs, sich und seine Untertanen gegen Feinde abzusichern, zeugen heute noch die Reste der einst 8m hohen Stadtmauer, die die Stadt an drei Seiten umgab. Im Norden sollte der Mühlbach einen ausreichenden Schutz vor Angreifern bieten, außerdem stand hier die Stadtburg, die Marchegg an dieser Stelle schützte.
Drei Stadttore, das Hainburger-, das Ungarn- und das Wienertor stellten die einzigen Eingänge in die Stadt dar. Das Wienertor und das Ungarntor sind heute noch erhalten, das Groißenbrunnertor ist nur mehr auf alten Zeichnungen zu finden. Aktuelle Forschungsergebnisse beweisen, dass Marchegg im Mittelalter die größte, geplante Stadt im Osten Österreichs war.
Im 13. Jahrhundert entstand innerhalb der Marchegger Stadtbefestigung, an Stelle einer früheren Wallanlage, eine Wasserburg, die 1344 erstmals urkundlich erwähnt wird, und war mit in die Stadtbefestigung einbezogen. Ursprünglich als gefestigte Burg mit Mauern und einem tiefen Graben umgeben, wurde es im Laufe der Zeit zu einem Schloss umgebaut, und erhielt im Zuge einer Restaurierung im Jahre 1733 sein heutiges, barockes Aussehen.
Wie alle Tore von Marchegg bestand das Wienertor aus einem viereckigen Torbau und einem seitlichen Rundturm. Die Torbauten hatten Pechnasen und Schießscharten um unliebsame Gäste abzuhalten. Der Rundturm dürfte als Stiegenhaus und als Schlafraum für die Wächter gedient haben. Die Steinfugen für das Fallgitter sind noch erkennbar. Das Wiener Tor ist am besten erhalten und stellt auch heute noch eine markante Einfahrt in die alte Stadt dar. Am Fuße des viereckigen Turms befindet sich noch heute der Rest einer ursprünglich drei-, heute zweiteiligen Sitzbogennische. Das Ungartor ermöglichte den Zugang der Stadt vom Osten her. Der Rundturm ist zum Unterschied von den beiden anderen Toren auf der rechten Seite des Torbaus angebracht. In diesem Turm befindet sich in der oberen Hälfte ein zierliches Spitzbogenfenster, welches leider dem Verfall preisgegeben ist, da dieser Turm nicht restauriert und überdacht wurde.
Die mittelalterliche Pfarrkirche von Marchegg, wurde im 18. und 19. Jahrhundert um- und ausgebaut. Bei Ausgrabungen wurden Mauerreste einer Kapelle gefunden, die in den historischen Dokumenten keine Erwähnung gefunden hat. In der Kirche in der Nähe des Bahnhofs ist das Pallfy-Kruzifix zu sehen. Es stammt aus der Schlosskapelle des Fürsten Pallfy, woher sich auch sein Name ableitet. Geschaffen wurde es 1631 von dem Bildhauer Jörg Petel.
Am nördlichen Stadtrand von Marchegg erstreckt sich das WWF-Naturschutzgebiet „Untere Marchauen“. Der Damm und die Reste der Stadtmauern bilden einen natürlichen Wanderweg um Marchegg, das auch als "Storchenstadt" bekannt ist.
Im Bahnhof Marchegg fand am 28. September 1973 der erste Terrorakt von Palästinensern in Österreich statt. Im Bahnhof Marchegg werden aus einem Zug mit jüdischen Emigranten aus der damaligen Sowjetunion vier Geiseln (3 Juden und 1 österreichischer Zollbeamter) entführt und zum Flughafen Wien-Schwechat gebracht; nach Zusicherung der Bundesregierung zur Auflösung des Transitlagers in Schloss Schönau wurden die Terroristen am 29. September 1973 ausgeflogen.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Bauwerke
- Mittelalterliche Stadtmauer, Wienertor und Ungartor sind noch erhalten.
- Schloss Marchegg, im 13. Jahrhundert als Wasserburg gebaut, in der Barockzeit umgebaut und als Jagdschloss verwendet.
- Römisch-katholische Pfarrkirche, im Mittelalter erbaut und im 18. und 19. Jahrhundert erweitert.
- Priorat Maria Königin der Gemeinschaft vom heiligen Johannes, gegründet 1994.
Naturschutzgebiete
- Naturschutzgebiet Untere Marchauen des World Wide Fund For Nature (WWF) mit etwa 50 Weißstorch-Paaren, die auf Bäumen ihre Horste bauen.
- 3 Breitenseen südwestlich von Marchegg: freigegeben zum Baden
- Vogelschutzgebiet Kleiner Breitensee

Landgasthaus Nagl-Hager
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